POET NR. 19 INHALT COVER ORDERN ET CETERA

poet 19

poet nr. 19
Literaturmagazin
Andreas Heidtmann (Hg.)
poetenladen, Leipzig Herbst 2015
256 Seiten, 9.80 Euro
ISBN 978-3-940691-69-9
Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

 
Gesprächsthema: Literatur & Glaube

»Ein Buch richtet sich an die Freiheit im Leser und im Schrei­benden ... ohne diesen Glauben, eine Art utopischer Über­schuss, wäre das Schreiben und auch Beenden nicht möglich.« Ulla Lenze

»Wie will man Brechts ironische Brechungen verstehen, wenn man kein musikalisch-religiöses Gespür für Choräle hat?« Karla Reimert

»Poetische Zündungen bringen nicht nur Ge­dichte her­vor, sondern auch anders den­kende, anders at­mende Men­schen.« Marica Bodrožić

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Blick ins Heft

  poet nr. 19

Editorial  |  poet nr. 19


Beim Gesprächsthema dieser Ausgabe – Literatur und Glaube – ging es nicht in erster Linie darum, Glauben in enger Verbindung mit Religion zu erörtern, sondern den Begriff als Anregung zu verstehen, über das Nichtrationale in der Literatur zu sprechen. Hierher gehören die Inspiration, die Wirkung von Texten, die philosophische Dimension hinter dem Schreiben und selbst die Formfrage, die eine mystische Dimen­sion haben kann. Hilfreich scheint der Blick auf Philosophen wie Adorno und eine hierdurch beein­flusste Li­teratur­kritik, die, vor allem in der Nachkriegszeit, nichtreale Stilformen, etwa spiritua­listische und sur­realis­tische Tendenzen, eher ver­nachlässigt oder abgelehnt hat.

Es geht natürlich auch um das Vertrauen in das eigene Schreiben: So lautet die von der poet-Redaktion ausgegebene Frage, woran man als Autor glauben müsse, um einen Text zu schreiben, einen Gedichtband oder einen Roman fertigzustellen. Die sachlichste Variante wäre, sich auf die eigene künstlerische »Sturheit« zu berufen oder auf die konkrete Aufgabe, für eine Idee die geeignete schriftliche Form zu finden. Nicht wenige führen gleichwohl die Notwendigkeit des Glaubens an sich und an den Text ins Feld und bekennen sich zugleich zu den Selbst­zweifeln, die keinem Autor fremd sind. Andreas Altmann bescheinigt diesem Glauben etwas Religiöses, auch weil der Text im gelun­gensten Fall ein Eigenleben führe und über die Intention des Schrei­benden hinausgehe. Ulla Lenze spricht von einem utopischen Überschuss, ohne den das Schreiben nicht denkbar wäre. Wenn der innere Zensor schweigt, ist für viele ein wichtiger, vielleicht sogar wunderbarer Moment des Schreibens erreicht

Neben der bewährten Prosa-Abteilung, in der diesmal über­wiegend neue Stimmen zu Wort kommen, bietet der poet gleich drei Lyrik-Sektionen, darunter einen Einblick in die junge Szene mit Lyrik von?Jetzt 3, ausgewählt von Max Czollek.

Als Kontrapunkt gewissermaßen erweist sich die Folge der zwölf Gedichte, die Michael Braun und Michael Buselmeier ausgesucht und profund kommentiert haben. Zu den namhaften Gegenwartsdichtern, die sie besprechen, gehört Jan Wagner – 2003 gab er zusammen mit Björn Kuhligk die erste Lyrik von Jetzt-Anthologie heraus. Michael Braun nennt es ein vergiftetes Lob, das dem preisgekürten Lyriker zuteil wurde: Jan Wagner sei kein braver Traditionalist – und erst recht niemand, der die »Verkitschung der Natur« betreibe –, sondern ein Dichter, der Naturphänomene auf brutale Faktizitäten prallen lasse und die Bewusst­seins­reize der Gegen­wart auslote. Der Leser wird viele weitere Berüh­rungs­punkte finden – durch alle Genres hindurch – und verschie­denste Sicht­weisen und Lesarten in dieser Ausgabe entdecken.

Andreas Heidtmann, Herbst 2015

 



Erster Einblick ins Heft / Auszug

Das Literaturmagazin poet erscheint halbjährlich im poeten­laden Verlag. Auf mehr als 240 Seiten bietet es Gedichte, Geschichten und Gespräche junger wie eta­blier­ter Autoren. Für das »bei­spiel­hafte Kon­zept zur Förde­rung der jungen Lite­ratur« wurde das Ma­gazin mit dem Calwer Hermann-Hesse-Preis aus­ge­zeichnet. Das Ma­gazin wird geför­dert durch den Deutschen Li­te­ratur­fonds e.V. sowie durch die Kul­tur­stif­tung des Frei­staa­tes Sachsen.

Ladenpreis: 9,80 Euro (ab Ausgabe 9) | Abo: 16 Euro.

 

 

 
Der poet erscheint halbjährlich im:
Poetenladen | Blumenstraße 25 | 04155 Leipzig | Germany
Herausgeber: Andreas Heidtmann
+49 (0)341 – 9939647 | Fax +49 (0)341 – 6407314
Mail: info (at) poetenladen.de
Der poet ist ein überaus leben­diges, glück­licher­weise ästhetisch unberechen­bares Literatur­magazin, das vor allem die lite­rarische Diskus­sion in der jüngeren Autoren­generation ungemein beflügelt hat.
Michael Braun: Laudatio zum Calwer Hermann-Hesse-Preis
 

 

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